Schmierereien? Nein! – Förderung der Street Art (Teil I)

 Zu Besuch bei Starkart Exhibitions Urban Art Gallery, Zürich

Es ist nun wirklich nichts neues, dass die Street Art bereits einen anerkannten Wert im Kunstdiskurs erworben hat. Banksy, beispielsweise, ist schon seit langem salonfähig und ist für den Kunstmarkt ein spannendes Spekulationsobjekt. Damit beschäftigt sich dieser Artikel auf Artinfo24.com. Dieser Trend scheint sich doch schon wieder etwas einzudämmen, was in mir persönlich immer wieder diesselbe Frage aufwirft: Ist Urban Art verglichen zu den „alten Meistern“ nur eine vorübergehende Bewegung, oder hat diese genauso viel Potential? Was sind überhaupt ihre Aufgaben? Historisch gesehen, hat die „Strassenkunst“ einen sich ständig wandelnder und vergänglicher Charakter. Vielleicht ist es der Street Art gar nicht bestimmt im öffentlichen Raum lange zu „überleben“? Nichts desto trotz versucht man heutzutage bereits „Kunstwerke“ an öffentlichen Plätzen zu schützen, indem eine Plexiglas Scheibe darüber gezogen wird. Dadurch können sich einstmalige urbane und unbekannte Sprayer etablieren, bis ihre, nun auf Leinwände gemalten und/oder gesprayten Werke, zeitgenössische Galerien schmücken und dazu gut verkauft werden.

(Randbemerkung: Urban Art ist ein Oberbegriff für diverse Kunstrichtungen die sich im urbanen oder öffentlichen Raum abspielen, wie zum Beispiel; Graffiti, Paste Up, Stencil, Street Art ect. Da ich gerne auf die definitorische Genauigkeit verzichten möchte, weil sie sehr kompliziert und meines Erachtens noch nicht einheitlich ist, verweise ich auf die Webseite hackenteer.com .)

Die Street Art oder eben Urban Art besteht aus einer Vielzahl von Kontrasten, deshalb interessiert mich dieser Strang der sogenannten Contemporary Art besonders. Seit etwa 2010 interessiere ich mich im Raum Zürich (und überall wo ich sonst gerade hin reise für Street Art). Folgend bin ich vor einigen Jahren auf die Starkart Exhibitions Urban Art Gallery gestossen. Sie ist an der Brauerstrasse 126 in Zürich stationiert und wird seit September 2009 von Roman Leu geleitet. Die Starkart Gallery, sollte nicht irgendeine weitere Galerie für zeitgenössische Kunst in Zürich sein, sondern trägt durch den Gründer sehr viel Herzblut und Leidenschaft in sich. Roman Leu beschäftigt sich schon seit über 20 Jahren mit Kunst im öffentlichen Raum und möchte mit seinen Räumlichkeiten ein eigenes Konzept mit viel Potential vorstellen (weitere Infos und Details zum Konzept.) Einer der wichtigsten Anliegen der Starkart Gallery ist es, eine Brücke zwischen den Künstlern, dem Publikum, den Besuchern und den Kritikern zu schlagen. Beim künstlerischen Angebot der Starkart Gallery soll auch ein breites und diverses Publikum angesprochen werden. Einerseits sollen unbekannte Künstler die Chance bekommen an Gruppenausstellungen auszustellen und sich so in der Öffentlichkeit zu zeigen. Andererseits sollen bereits etablierte Künstler in einem urbanen Raum mit Amateuren und dem Publikum in Austausch treten. Dadurch können neue Impulse und Ideen freigesetzt werden, vielleicht auch neue Kontakte oder gemeinsame Arbeiten entstehen. Die Starkart Gallery gibt sich sehr offen und unvoreingenommen, was Künstler und Besucher stets schätzen. Demzufolge unterstützt der Ausstellungsraum der Starkart die Kunst als Mehrwert für die Allgemeinheit. Deshalb ist die Starkart Gallery in anderen Worten ein Förderprojekt für Nachwuchstalente und für das vertiefte Verständnis der breiteren Gesellschaft gegenüber urbaner Kunst. Die Starkart Gallery hat bis zum heutigen Tage auf die kommerzielle Unterstützung verzichtet und handelt stets unabhängig und subventioniert. So kann der Freiheit, für Kunstprojekte jeglicher Art, keine Grenze gesetzt werden.

Foto: Starkart Zürich, Facebook

Foto: Starkart Gallery Zürich, Facebook

Starkart Gallery Foto: Archiv Kunstfünf

Foto: Starkart Gallery Zürich, Archiv kunstfünf

Foto: Starkart Zürich, Archiv kunstfünf

Foto: Starkart Gallery  Zürich, Archiv kunstfünf

Foto: Starkart Zürich, Archiv kunstfünf

Foto: Starkart Gallery Zürich, Archiv kunstfünf

Eines meiner persönlichen Highlights der Starkart Gallery ist die jährliche Ausstellung Stencil Bastards. Die Ausstellung ging im letzten Sommer bereits in die dritte Runde. Kuratiert wird die mittlerweile bekannte Ausstellung von Gründer Roman Leu und Christian Guemy. Diese Gruppenausstellung befasst sich ausschliesslich mit einem bestimmten Genre der Streetart, nämlich dem Stencil, Pochoir, oder zu deutsch, Schablonengraffiti. Dafür sind die besten Streetart Künstler erkoren worden.

Darunter befindet sich auch Co-Kurator Christian Guemy besser bekannt als C215. Er ist ein „maestro“ des Schablonengraffiti. C215 ist auf grossem Fuss unterwegs und hinterlässt seine Spuren global. Sein Markenzeichen sind Porträts. Unbekannte Stadtbewohner, Freunde und Bekannte werden von ihm an diversen Wänden, Briefkästen oder Strassenschildern in den Städten verewigt. Durch die Ausdruckskraft seiner Stencils wirken die Porträts wie Ikonen, ganz egal aus welchem sozial gesellschaftlichen Kontext die Personen stammen. Durch die „Ikonisierung“ unbekannter Personen erzeugt er, in seinen Werken, schon fast einen politischen Appell. Obwohl die Schablonentechnik, vor allem für ihren hohen Vervielfältigungsgrad angewandt wird, wirkt jedes filigran gestaltete Porträt äusserst individuell und trägt einen intimen Ausdruck in sich. Fast so, als würde C215 durch sein Feingefühl seelische Einblicke seiner Modelle an die Öffentlichkeit tragen. Zudem passt er den freihand-gesprayten Hintergrund des Stencils der Umgebung an. Weitere EInblicke in sein Schaffen können diesem Video entnommen werden (aus: ARTE Creative, 5 Minutes with: C215).

Foto: C215 (Selbstporträt), Archiv kunstfünf

Foto: C215, Starkart Gallery, Archiv kunstfünf

Foto: C215, Archiv kunstfünf

Foto: C215 (Selbstporträt), Starkart Zürich, Archiv kunstfünf

Foto: C215, Starkart Gallery, Archiv kunstfünf

Foto: C215, Starkart Gallery, Archiv kunstfünf

Foto: C215, Starkart Gallery, Archiv kunstfünf

Foto: C215, Starkart Gallery, Archiv kunstfünf

Ein weiteres Ass der Urban Art Szene ist Logan Hicks. Normalerweise überzeugt er mit menschenleeren Grosstadtszenerien, die unseren kontrastreichen Zeitgeist gekonnt widerspiegeln. In dieser Ausstellung brilliert er durch unzählige Schablonenschichtungen, die seine Werke faszinierend fotorealistisch wirken lassen. Bemerkenswert ist ebenfalls das Licht – Schattenspiel in seinen Arbeiten.

Foto: Logan Hicks, Starkart Gallery Zürich, Archiv kunstfünf

Foto: Logan Hicks, Starkart Gallery Zürich, Archiv kunstfünf

Foto: Logan Hicks, Starkart Gallery Zürich, Archiv kunstfünf

Foto: Logan Hicks, Starkart Gallery Zürich, Archiv kunstfünf

Martin Whatson ist ein  Streetartkünstler, der jüngeren Generation. Er sticht mit seinen Kontrasten in der Farbigkeit seiner Werke heraus.

Die Hauptmotive von ALIAS sind Kinder und Teenager. Meistens befinden sich diese Personen alleine und wirken oftmals melancholisch, irritiert oder introvertiert.

Foto: Martin Whatson, Starkart Gallery Zürich, Archiv kunstfünf

Foto: Martin Whatson, Starkart Gallery Zürich, Archiv kunstfünf

Foto: ALIAS, Starkart Gallery Zürich, Archiv kunstfünf

Foto: ALIAS, Starkart Gallery Zürich, Archiv kunstfünf

Wie aus diesen Eindrücken sichtbar wird, bietet die Starkart Gallery in Stencil Bastards ein breites Band an talentierten und qualitativ hochstehenden Künstlern. Ich habe während dem Schreiben dieses Post realisiert, dass es noch einen weiteren Teil zur Starkart Gallery braucht, um meine Reflexionen zu vervollständigen. Jedoch muss bis im neuen Jahr etwas Geduld aufgebracht werden…dafür kann man sich bereits auf einen neuen Post im kommenden Jahr freuen!
Bis dahin wünsche ich allen eine besinnliche Weihnachtszeit und einen kreativen Start ins neue Jahr!

-tdb-

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